#42 Weshalb Gegenwind manchmal ein Zeichen ist
- Karin
- 6 days ago
- 7 min read
Anfangs März war mein Langlaufmarathon. Ich habe mich vor fast einem Jahr angemeldet und mir gar nicht allzu viel dabei überlegt. Im Human Design bin ich ein 1er/3er Profil, das ist der Abenteurer kombiniert mit dem Forscher. Das heisst, ein Anteil, der das Leben wild drauflos leben will, der einfach ausprobieren, erleben, erfahren will. Und ein anderer Anteil, der aber gerne Klarheit hat, Fakten kennt und vor allem eine klare Struktur braucht. Nun sind innere Konflikte bereits vorprogrammiert, alleine wenn ich das höre.

Nun jedenfalls habe ich auch meinem Umfeld von meinem Marathon erzählt. Und das Phänomen, welches ich hier beschreibe, passiert mir immer wieder. Und wenn etwas im Leben immer wieder passiert, dann ist das das Leben oder das Universum, das an unsere Türe klopft und gerne Heilung und Klärung erfahren möchte.
Nun zurück zum Marathon. Ich erzähle also meinem Umfeld davon. Und wie das so ist, wie der Mensch so reagiert, kamen viele Fragen. Und diese Fragen haben mich immer wieder aus der Bahn geworfen. Nun ist es Teil meines inneren Abenteurers, dass er eben nicht allzu viel wissen will. Er geht einfach drauflos und hat auch schon festgestellt, dass das relativ gut geklappt hat bisher.
So war es auch beim Marathon. Ich wusste weder, wie die Route genau aussieht, noch kannte ich das Höhenprofil oder die gefährlichen Stellen. Ich wusste nur, dass ich 42 Kilometer von A nach B langlaufen muss. Und auf die Fragen nach meinem Trainingsplan oder meinem Essensplan oder die Frage, wie ich denn den Stazerwald bewältigen würde, hatte ich keine Antworten.
Auf die nett gemeinten Hinweise, dass es denn schon anstrengend sei, dass man aufpassen müsse und dass es gefährlich ist, wusste ich keine Reaktionen. Und etwas, was für mich total schwierig ist, ist es, auf solche Fragen und Hinweise keine Antworten zu haben. Denn natürlich hat dies meinen inneren Forscher aktiviert, der ja auch gerne diese Fragen beantwortet hätte, denn das hätte ihm Sicherheit gegeben. Nur leider war hier bei mir der Abenteurer im Lead. Und dennoch warfen diese Fragen mich völlig aus der Bahn.
Und wie immer gibt es hier ein Thema unter dem Thema. Denn eigentlich waren es genau die Fragen, die mich verunsichert haben. Die Fragen haben sichtbar gemacht, dass ein Teil von mir selbst diese Zweifel auch hatte. Dass eben genau der Forscher auch gerne eine Antwort gehabt hätte. Und dennoch, mein innerer Abenteurer war so stark, dass ich die Antwort erst während dem Rennen erfahren habe.
Schlussendlich war die weiteste Strecke, die ich je trainiert hatte, 17 Kilometer. Ich kannte weder den Stazerwald noch das Höhenprofil und habe auch nicht speziell anders gegessen. Und weisst du was? Ich habe es trotzdem geschafft. Ich habe den Marathon geschafft.
Und dennoch habe ich verstanden, dass die Fragen mich deshalb triggern und berühren, weil ein innerer Anteil eben auch Angst hat. Mein innerer Forscher hatte auch Angst, es nicht zu schaffen, dass das Training nicht reicht und dass ich zu schwach dafür bin. Und das ist in Ordnung. Ich darf auch Angst haben vor solchen Herausforderungen. Es hat einen Grund, weshalb nicht die ganze Welt einen Marathon läuft. Es ist etwas Anspruchsvolles und Anstrengendes. Und es ist in Ordnung, Angst zu haben. Solange ich mich nicht von meinem Vorhaben abhalten lasse.
Vielleicht ist es so, dass gewisse Menschen Sicherheit brauchen, bevor sie losgehen können. Wie die Personen, die mich warnen wollten. Und andere Menschen gehen einfach los — und finden Sicherheit erst unterwegs. Da gehöre ich dazu. Denn ich glaube, wenn ich zu viel weiss, was mich alles erwartet, würde ich nicht hingehen. Ich bin ein Mensch, der lieber dann, wenn es so weit ist, mit den Herausforderungen kämpft, als im Vorfeld schon alles abzutasten.
Und schon kommt das nächste Abenteuer: Trailrunning. Der Wettbewerb ist im September von Interlaken auf den Wildstrubel. Und wieder: dasselbe Spiel. Und es ist total egal, um welchen Bereich es sich handelt. Auch beim Podcast, bei der Selbständigkeit, bei der Anstellung, bei Hobbys, beim Wohnortwechseln, beim Reisen. Es ist egal wo. Menschen in meinem Umfeld stellen mir Fragen, die ich nicht beantworten kann. Und ich lasse mich triggern. Ich schaffe es meistens einfach nicht, bei mir und in der Ruhe zu bleiben. Sondern ich lasse mich nervös machen.
Wenn ich im Nachhinein reflektiere, stelle ich aber fest, dass diese Fragen ganz oft von Menschen kommen, die entweder selbst so etwas noch nie gemacht haben, die neidisch sind oder eigene Ängste auf mich projizieren wollen. Ultraspannend. Nun, was heisst das genau?
Ich glaube, dass es ein ganz natürliches Phänomen ist, dass Menschen immer aus ihrer Perspektive, aus ihrer Brille sprechen. Wenn ich unbewusst unterwegs bin, geht es mir genauso. Manchmal ertappe ich mich dann dabei und kann es nochmals ansprechen. Aber manchmal erzählt mir jemand etwas aus seinem Leben, was bei mir Ängste auslöst. Diese verpacke ich dann als Warnung und projiziere meine Ängste einfach auf die Person. So spannend, oder? Ist dir das auch schon einmal passiert?
Zum Beispiel die Selbständigkeit. Seit 2018 bin ich in irgendeinem Bereich der Selbständigkeit unterwegs, sei es damals mit dem Catering oder seit 2023 mit dem Coachingbusiness. Und wenn mich jemand davor warnen will, dass die Selbständigkeit Risiken birgt und man nie weiss, welche Auftragslage da sein wird, und man ganz viele Unsicherheiten hat, dann kommt diese Aussage in den seltensten Fällen von jemandem, der selbst selbständig ist. Sondern ganz oft kommt diese Aussage von jemandem, der Angst hat vor der Selbständigkeit.
Dasselbe im Sport. Die Menschen, die mir gesagt haben, wie viel Training das Bewältigen eines Marathons braucht, haben selbst noch nie einen Marathon absolviert. In der nachträglichen Reflexion habe ich das allerdings erst bemerkt und konnte dann direkt wieder loslassen von dieser Warnung. Denn wer nicht weiss, worüber er spricht, sollte ich auch nicht allzu ernst nehmen. Oder wie siehst du das?
Oder wenn jemand mir erzählt, dass ich ohne Kinder nun leider das Glück der Welt nicht erfahren werde und wie viel ich dadurch verpasse und dass ich meine menschliche Lebensaufgabe dadurch nicht erfülle, dann darf ich hier erst einmal etwas hellhöriger werden. Natürlich könnte es ein liebevoll gemeinter Ratschlag sein. Es könnte sein, dass diese Worte aus der Quelle von Liebe und Gutmütigkeit kommen. Für mich hat sich das aber nicht so angehört.
Aus meiner Perspektive kommen diese Worte eher von einem Menschen, der manchmal das «Keine-Kinder-Haben» vermisst, der selbst gerade im Mangel ist. Dadurch, dass er mir aufzeigt, was mir fehlt und welche Aufgabe ich nicht erfüllte, gibt es ihm ein besseres Gefühl. Seine Worte richtet er somit eigentlich viel mehr an sich selbst als an mich. Vielleicht geht es genau darum, dass er sich in Erinnerung rufen kann, was das Schöne am Kinderhaben ist.
Natürlich hat er Recht, ich verpasse einen wichtigen Teil des Lebens und ich werde als nicht leibliche Mutter auch nie mit geschenkten Kindern fühlen, was eine Mama fühlt. Aber jemand, der mit sich und seinem Leben im Reinen, im Frieden, in der Liebe ist, würde niemals eine solche Aussage machen.
Oder wenn mich jemand davon abhalten wollte, meinen Job zu kündigen, dann durfte ich schon ganz oft feststellen, dass dahinter die eigenen, persönlichen Ängste stehen. Respektive vielleicht sogar eben Neid. Es gab Menschen, die wollten mich davor warnen zu kündigen, aber hätten eigentlich selbst gerne ihren Job gekündigt, aber trauten sich nicht. Wahnsinn, oder?
Versteh mich nicht falsch, die Fragen, die mir mein Umfeld stellt, sind ganz oft hilfreich. Denn sie decken blinde Flecken auf. Sie zeigen mir auf, wo ich noch Bedarf habe, mehr zu wissen. Manchmal ist das auch nötig. Manchmal ist das auch eine Hilfestellung. Und genau das gilt es abzuwägen.
So möchte ich dich einmal mehr sensibilisieren… Wann immer Menschen dir Gegenwehr geben, aus welchem Grund und zu welchem Thema auch immer, dann versuche ganz genau hinzuhören, vielleicht sogar Rückfragen zu stellen.
Wer spricht hier zu mir?
Stammen die Worte aus der Quelle von Liebe?
Ist das, was gesagt wurde, eine ganz neutrale Aussage?
Oder steckt dahinter womöglich eine eigene Angst oder sogar Neid?
Nicht jede kritische Frage ist ein Angriff. Manche Fragen helfen uns zu wachsen. Die Kunst liegt vielleicht darin zu spüren: Welche Fragen entstehen aus Liebe — und welche aus Angst?
Und bitte, bitte versuche schlussendlich auf dich selbst zu hören, deinen Weg zu gehen. Immer wieder zurückzufinden zum ursprünglichen Antrieb, zur ursprünglichen Motivation, die dich damals dazu bewogen hat, die Reise zu buchen, dich beim Wettbewerb anzumelden oder deinen Job zu kündigen.
Und spannend ist, ich habe ChatGPT nach solchen Geschichten von berühmten Menschen gefragt und er konnte mir tonnenweise liefern: Oft wurden genau die Dinge, für die sie zuerst belächelt, abgelehnt oder entmutigt wurden, später ihr grösster Erfolg.
Hier ein paar starke Beispiele:
• Oprah WinfreySie wurde als junge Moderatorin aus dem Fernsehen entlassen, weil man meinte, sie sei „nicht geeignet fürs TV“. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten Medienfrauen der Welt.
• J.K. RowlingIhr Manuskript von Harry Potter wurde von zahlreichen Verlagen abgelehnt. Man glaubte nicht daran, dass die Geschichte funktionieren würde. Heute ist die Reihe weltberühmt.
• Lady GagaWurde von Produzenten als „zu speziell“ bezeichnet. Heute ist genau ihre Andersartigkeit ihre Marke.
Das Spannende daran ist oft nicht nur der Erfolg selbst. Sondern dass viele dieser Menschen irgendwann aufgehört haben, sich mehr auf die Meinung anderer zu verlassen als auf ihr eigenes Gefühl.
Und häufig steckt dahinter genau dieses Muster:
„Das funktioniert nicht.“„Das passt nicht zu dir.“„Davon kannst du nicht leben.“„Sei realistischer.“
…bis jemand es trotzdem macht.
Es gibt dieses geniale Lied: «I made it» heisst es von Tones and I. Sie singt: «if I had a dollar from the ones that didn’t believe, I could sail away and live my life at sea”. Also in etwa: Wenn ich von jedem, der nicht an mich glaubte, einen Franken erhalten hätte, könnte ich davonsegeln und den Rest meines Lebens auf dem Meer verbringen.
Ich motiviere und animiere dich: Geh deinen Weg. Folge deinem Herzen. Es tut mir auch gut, das von mir selbst zu hören. Denn auch ich habe eine Wandlung vor mir. Ich spüre, dass etwas im Anmarsch ist, dass etwas bevorsteht. Was auch immer kommt. Ich will meinen Herzensweg gehen. Ich will noch weiter herausfinden, wer ich wirklich bin. Ich will den Trailrunning-Wettbewerb schaffen. Ich will reisen gehen. Ich will von der Selbständigkeit leben können.
Wie ich dahin komme, weiss ich noch nicht. Aber vielleicht muss ich den ganzen Weg auch noch gar nicht kennen. Vielleicht reicht es, dass mein Herz bereits losgelaufen ist.
Denn rückblickend waren die wichtigsten Schritte meines Lebens nie jene, bei denen ich alles wusste. Sondern jene, bei denen ich mir selbst vertraut habe.
Also vielleicht ist Mut nicht, keine Angst zu haben. Sondern trotz der Stimmen weiterzugehen.




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