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#38 Wenn sich das Aussen nicht bewegt, muss ich mich bewegen

Ich habe bei mir etwas herausgefunden, das sich immer wieder wiederholt. Etwas, das wie ein roter Faden durch mein Leben zieht: Ich flüchte, wenn es keine Bewegung gibt.

Ich kenne das bei mir in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel bei der Arbeit. Mein Lebenslauf sieht ziemlich wild aus. Ich habe oft die Stelle gewechselt – und zwar immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, ich erreiche nichts mehr, ich komme nicht weiter.

Dabei geht es um das Thema Selbstwirksamkeit. Ein Thema, das für mich besonders stark vertreten sein muss. Sonst wäre ich vermutlich auch nicht selbstständig. Aber wir können das auf die meisten von uns übertragen: Menschen wollen in der Regel etwas bewirken. Sie wollen, dass ihr Handeln einen Unterschied macht. Sie wollen Einfluss haben.

Wenn das fehlt, entsteht Frustration, innerer Rückzug oder Widerstand.

Vor allem damals in der Gastronomie habe ich das stark gespürt. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, ich kann nichts mehr bewegen, wenn ich an Grenzen gestossen bin, meine Impulse nicht gehört wurden und meine Kompetenz nicht mehr gebraucht wurde – genau dann kam dieses Gefühl: Ich muss mich bewegen.



Dazu gibt es ein passendes Zitat: Wenn sich das Aussen nicht mehr bewegt, muss ich mich bewegen.


Das ist eine Theorie, von der ich persönlich überzeugt bin. Für mich funktioniert das Leben so, dass alles Energie ist – und Energie will Bewegung. Bewegung erzeugt Energie. Und so glaube ich, dass es ein natürliches Phänomen ist, dass wir uns bewegen wollen, wenn im Aussen Stillstand herrscht.

In meinem Lebenslauf zieht sich das klar durch. Vor 15 Jahren haben wir in Wales in Grossbritannien gelebt und dort 1,5 Jahre gearbeitet. Die Grundidee des Unternehmens war grossartig, ich habe die Philosophie geliebt. Aber wie so oft reicht das nicht – der Mensch dahinter macht den Unterschied.

Wir wollten etwas bewirken, Veränderungen anstossen und Herausforderungen angehen. Doch wir hatten weder die Entscheidungskompetenz noch die passende Rolle. Es wurde schnell klar, dass wir nicht weiterkommen. Die oberen Kaderstellen waren besetzt. Wir haben das angesprochen, aber keine Perspektive gesehen – also sind wir gegangen.

Uns wurde zwar im Schwesternbetrieb in England dieselbe Position angeboten, doch wir haben abgelehnt. Wir haben bereits gespürt, dass sich dort ähnliche Themen zeigen würden.


Danach ging es für uns nach Gozo, wo wir ein Managementpraktikum in einer internationalen 5-Sterne-Kette gemacht haben. Auch dort lief vieles nicht wie vereinbart. Die notwendigen Veränderungen wurden nicht gesehen und nicht angegangen. Also sind wir auch dort weitergezogen.

Und so ist es mir immer wieder ergangen.

Ich habe den starken Wunsch, dass ich mich konstant weiterentwickle. Dass sich mein Umfeld weiterentwickelt – persönlich wie beruflich. Ich glaube, dass das unserem Naturell entspricht. Die Natur macht es uns vor: Kein Baum ist heute gleich wie gestern. Kein Tier ist heute gleich wie gestern.


Woran liegt das eigentlich?

Du weisst ja, es gibt immer ein Thema unter dem Thema. Oberflächlich zeigt es sich darin, dass ich Jobs wechsle, umziehe oder weitergehe. Darunter aber liegt das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, Sinnhaftigkeit und Entwicklung.

Ich glaube, der Mensch sucht genau diese drei Dinge in seinem Leben.


Was ist das Gegenteil davon?

Ohnmacht. Das Gefühl, nichts beeinflussen zu können. Aufgaben zu erledigen, in denen kein Sinn liegt. Sich leer und leblos zu fühlen.

Vermutlich kennst du beide Zustände.

Ich glaube, Stillstand ist ein zweischneidiges Schwert. Wir alle haben einen Anteil in uns, der Stillstand mag – und einen, der ihn ablehnt.

Der eine Anteil sehnt sich nach Ruhe, nach Stabilität, nach Sicherheit. Evolutionär gesehen bedeutete Stillstand oft Energie sparen und Sicherheit im Hier und Jetzt.

Der andere Anteil liebt das Neue, das Abenteuer, die Veränderung.

So entsteht ein innerer Konflikt.


Ich habe das im Gastroalltag stark erlebt: Ich wollte, dass es ruhiger wird. Und sobald es das war, konnte ich es kaum geniessen – und habe wieder etwas Neues gestartet.

Ja, das hat auch mit anderen Themen zu tun. Zum Beispiel damit, was ich mir selbst wert bin, wenn ich weniger leiste. Aber das ist ein anderes Thema.

Woher kommt dieser Entwicklungsdrang?

Bei mir ist er sehr stark. Ich liebe es, Neues zu lernen, Dinge zu verstehen, Blockaden aufzulösen. Das gibt mir das Gefühl von Selbstwirksamkeit, Kompetenz und Autonomie.

Stillstand hingegen macht mir eher Angst. Ich verbinde ihn schnell mit etwas Negativem. In meiner Vergangenheit habe ich Stillstand oft mit Frust, Distanz, Wut und sogar Trennung erlebt.


Deshalb ist in mir der Wunsch entstanden, mich konstant zu bewegen.

Und damit meine ich nicht Pausen oder Erholung. Sondern meine persönliche Weiterentwicklung.


Und apropos Bewegung:

Am Samstag, 9. Januar 2027, findet in der Region Basel unser Event MOVE statt – ein Tag rund um persönliche Weiterentwicklung. Mit Impulsreferaten, Workshops und Raum für Austausch. Alle Infos hier


Wie ist das bei dir? Wie oft bewegst du dich? Und wie oft bleibst du stehen?


Wir kennen alle Menschen, die immer wieder über dasselbe jammern, ohne etwas zu verändern. In solchen Situationen gibt es aus meiner Sicht drei Möglichkeiten:

Entweder ich akzeptiere es und mache weiter wie bisher.Oder ich konfrontiere und setze mich zur Wehr.Oder ich lasse los und gehe.

Und übrigens: Wer sich nicht bewegt, wird bewegt.

Vielleicht kennst du das. Du möchtest eigentlich etwas verändern, traust dich aber nicht. Und dann passiert im Aussen etwas, das dich dazu zwingt.

Bei mir war das der Lockdown. Ich war damals innerlich so erschöpft und gefangen, dass ich mir gewünscht habe, jemand würde den Stop-Knopf drücken.

Und dann kam er.

Für viele war diese Zeit schwierig – für mich war sie eine Erlösung. Eine notwendige Notbremse.

Ich glaube, dass vieles, was uns passiert, nicht zufällig geschieht. Und manchmal bewegt uns das Leben, wenn wir es selbst nicht tun.

Ich wünsche dir, dass du deinen Weg bewusst gehst. Dass du Entscheidungen triffst – nicht aus der Not heraus, sondern aus Klarheit.

 
 
 

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