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#34 Während dem Fasten

  • Writer: Karin
    Karin
  • 4 days ago
  • 5 min read

Wir schreiben Tag vier meiner Fastenkur in Weggis. Am Samstagabend bin ich angereist, zusammen mit 14 anderen Menschen. Gemeinsam haben wir die Einführung gehört und dann mit dem Bittersalz angestossen. Dieses bewirkt einen sanften Wassereinschuss und ermöglicht den mehrfachen Gang zur Toilette – womöglich mit Durchfall. Jeder Körper reagiert anders auf dieses Bittersalz: Bei den einen „hängt es noch fest“, die anderen konnten bereits loslassen. Als stärkere Alternative gibt es das Glaubersalz, dieses wirkt einiges intensiver.



Generell bin ich in einem Haus hier in Weggis, das das liebevolle Fasten empfiehlt. Natürlich könnte man rein mit Wasser und Tee fasten, auch das ist möglich. Man sagt aber auch, dass dies den Körper unnötig auszehrt. Die Methode, die hier angewendet wird, ist das freiwillige Trinkfasten. Sie leben das aktive Fasten – das heisst Fasten mit viel Bewegung. Empfohlen wird eine tägliche Zufuhr von 3 Litern Flüssigkeit, vor allem in Form von Wasser und Tee, maximal 5 dl Saft, und je nach Bedarf ergänzt mit einer kleinen Bouillon oder einem Eiweissdrink.

Der Körper baut zu Beginn etwas Muskelmasse ab, stellt aber relativ schnell um und schützt die Muskulatur besser. Bewegung und etwas Protein können dabei unterstützen.


Die klassische Methode ist das Buchinger-Fasten, bei dem ebenfalls Tee, Wasser sowie Säfte und Bouillon konsumiert werden. Eine ähnliche Form machen wir hier. Es gibt auch das Wasserfasten, bei dem wirklich ausschliesslich Wasser getrunken wird. Und das Intervallfasten – etwas, das sich gut in den Alltag integrieren lässt. Auch hier gibt es verschiedene Formen, zum Beispiel das 8/16-Prinzip, bei dem man 8 Stunden isst und 16 Stunden fastet. Wann diese 8 Stunden sind, ist jedem selbst überlassen, sie sollten einfach am Stück sein.

Natürlich gibt es ausserhalb der Ernährung auch noch andere Formen des Fastens, wie den Verzicht auf Social Media, generell technische Geräte, Alkohol, Kaffee, Zucker und so weiter.

Für mich ist die Form, die ich hier praktiziere, die ideale. Sie ermöglicht mir viel Bewegung und Aktivität, was mir sehr gut gefällt.


Aber zurück zu Tag 1: Es passiert also der Wassereinschuss, und rund 2–4 Stunden später startet der Gang zur Toilette – wie gesagt, bei jedem etwas anders. Die nächsten 2–3 Tage spüre ich, wie alles etwas langsamer vonstattengeht, wie ich schwächer bin und der Kreislauf instabil ist. Das braucht Akzeptanz. Die Akzeptanz dieser Situation und auch dessen, dass man viel weniger Energie hat.

Obwohl man das spürt, ist es wichtig, dennoch aktiv zu bleiben. Ich persönlich habe meine Fastenkur mit Lu Jong Yoga ergänzt – eine Form, die Meditation in Bewegung ermöglicht, Kraft braucht und gleichzeitig zur Entspannung und zum Fokus führt. Dieses Programm haben wir morgens und abends. Das Fastencenter ergänzt zusätzlich mit drei Gymnastikstunden pro Woche. Und freiwillig kann man ergänzen mit Schwimmen, Wandern, Sauna oder Dampfbad.


Tag 1–2 habe ich meine Aktivität reduziert und meinem Körper die nötige Ruhe gegeben. Bei mir kam eine starke Müdigkeit auf, der ich Raum geben wollte.

Was ich ebenfalls spüre, ist eine starke Entspannung meines Nervensystems. Es gelingt mir viel besser, mich selbst zu spüren und wahrzunehmen.

Am Tag drei spüre ich bereits, wie die Energie zurückkommt. Der Körper stellt nun nämlich die Verbrennung um. Die ersten beiden Tage nutzt der Körper die Glykogenspeicher – das ist eingespeicherter Zucker aus Leber und Muskeln. Diese halten rund 24–48 Stunden. Während dieser Zeit ist das Hungergefühl relativ stark spürbar.


Hier beginne ich zu unterscheiden – zumindest für mich – zwischen Hunger und Lust. Hunger gehört zum Fasten dazu. Aber ich versuche zu spüren, weshalb ich Lust empfinde. Oft sind dahinter emotionale Essensmuster verborgen. Vielleicht hast du bei dir gespeichert, dass du, wenn es dir nicht gut geht, wenn du gestresst oder unzufrieden bist, zu bestimmten Lebensmitteln greifst, um die Gefühle wegzuhaben. Genau das versuche ich wahrzunehmen und nach und nach zu lösen.

Spätestens nach 48 Stunden hat die sogenannte Autophagie begonnen. Der Körper beginnt, alte und beschädigte Zellbestandteile abzubauen – wie eine Art innerer Recyclingprozess. Das passiert, wenn das Insulin im Körper stark gesunken ist, die Zuckerreserven leer sind und der Körper Energie von innen bezieht.

Die Zellerneuerung läuft zwar immer in deinem Körper – man sagt, dass sich der Körper etwa alle sieben Jahre komplett erneuert –, aber das Fasten verstärkt diesen Prozess deutlich.


Ab Tag 3 sind die Glykogenspeicher leer, und der Körper stellt auf die Fettverbrennung um. Das ist eine etwas kritische Phase, in der Kopfschmerzen und Müdigkeit auftreten können. Ab Tag 4 verbrennt der Körper Fett und hat sich daran gewöhnt. Der Hunger sollte verschwinden, der Kopf wird klarer und die Energie stabiler. Das ist auch der Punkt, an dem wir Gewicht verlieren.

Viele von uns haben ihre Fastenzeit in den ersten zwei Tagen mit einer Kolon-Hydro-Massage ergänzt. Das ist ein Wassereinlauf durch den After, bei dem der verbleibende Stuhl im Dickdarm zuerst eingeweicht, durch Massage in Bewegung gebracht und schlussendlich idealerweise ausgespült wird. Viele empfinden danach eine Entlastung und mehr Wohlbefinden.


Vielleicht hast du auch schon gehört, dass der Darm unser zweites Gehirn ist. Diesen gilt es also besonders gut zu pflegen und zu hegen. Wenn wir langfristig „alten Stuhl“ im Dickdarm haben und dieser von Darmbakterien zersetzt wird, entstehen Gase. Diese können Blähungen verursachen. Eine solche Kolon-Hydro ist aber aus meiner Sicht nur dann sinnvoll, wenn du fastest – im Alltag macht das wenig bis keinen Sinn.

Nun weisst du, wie der ungefähre Prozess einer Fastenkur abläuft. Ab heute oder spätestens morgen wird mein Energielevel steigen – und ich freue mich darauf. Zusätzlich werden ganz nebenbei auch meine Sinne geschärft. Auch hier spielt unser Urhirn eine wichtige Rolle. Denn wenn wir früher lange keine Nahrung gefunden haben, schärfte der Körper die Sinne, damit wir besser Tiere und Pflanzen wahrnehmen konnten. Das erhöhte die Chance, Nahrung zu finden.

Ich spüre das nach dem Fasten, wenn Essen intensiver schmeckt. Oder auch währenddessen, wenn der „Graufilm“ auf den Augen verschwindet und ich Farben deutlich leuchtender wahrnehme. Ein wunderschönes Bild.

Für mich persönlich ist der körperliche Prozess aushaltbar – viel anspruchsvoller finde ich den mentalen Prozess. Es geht um Loslassen, um das Zulassen von Entspannung, um das Akzeptieren der reduzierten Leistungsfähigkeit und um das Erlauben von Supplementen. Für jemanden wie mich, mit einem starken Leistungstreiber, hat das einen Moment gedauert.


Ich durfte meine Erwartungen an mich selbst reduzieren und meinen eigenen Weg darin finden. Das ist ganz wichtig, damit keine mentale innere Leere entsteht.

Was bei mir auch jedes Mal passiert, ist, dass Kindheitsthemen im Bezug auf Ernährung hochkommen. Immer wieder finde ich neue Geschichten und Muster, die mein heutiges Essverhalten beeinflussen. Diese darf ich liebevoll anschauen und Schritt für Schritt meinem wahren Ich näherkommen.

Wie du also hörst, ist Fasten ein Prozess, der ganz viel mit mir macht – und absolut klärend und reinigend wirkt, in allen Aspekten. Von Herzen kann ich dir das Fasten empfehlen, wenn du gesund bist. Wenn du selbst Krankheiten hast, sprich das unbedingt zuerst mit deinem Arzt ab. Doch für gesunde Menschen empfehle ich, das Fasten einmal auszuprobieren.

Was Fasten im Körper bewirkt und wie es mir nach der Fastenkur ergeht, erzähle ich dir in der dritten Folge.

Du hörst mich: Fasten ist für mich kein Verzicht. Es ist ein Zurückkommen. Zu meinem Körper. Zu meinen Bedürfnissen. Zu mir

 
 
 

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