#33 Vor dem Fasten
- Karin
- 24 hours ago
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Wir schreiben Mitte März 2026. Für mich ist das Heilfasten zu einem jährlichen Ritual geworden. Tatsächlich ist es dieses Jahr das vierte Mal, dass ich faste. Aber wieso eigentlich? Was bringt uns das Fasten wirklich?

Damit sich der Körper und Organismus reinigen und regenerieren kann. Fasten ist eine der besten Gesundheitspräventionen, die man sich und seinem Körper gönnen kann. Es ist eine uralte und ganzheitliche Methode. Wenn wir in der Menschheitsgeschichte zurückgehen, erkennen wir, dass der Mensch zu Höhlenzeiten gezwungen war zu fasten. Es gab keine konstant verfügbare Nahrung, ergo haben sich Überfluss und Mangel abgewechselt. Der Körper ist also darauf ausgelegt, ohne feste Nahrung zu funktionieren.
Später wurde Fasten in allen Kulturen praktiziert: im Christentum vor Ostern, im Islam mit dem Ramadan, bei den Juden, bei den Buddhisten – alle wenden Fasten als bewusste Enthaltsamkeitsmethode an. Selbst in der Medizin ist es verankert. Hippokrates sagte damals: „Wenn du krank bist, iss weniger.“
Zudem empfehlen heute auch medizinische Fachpersonen ein Fasten bei chronischen Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen, Verdauungs- oder Hautstörungen, rheumatischen Erkrankungen oder bei Migräne und Kopfschmerzen.
Und doch muss ich sagen: Jeder Körper ist individuell. In keiner Fastenkur bisher ist es mir gleich ergangen – geschweige denn den anderen Gruppenmitgliedern. Jeder reagiert anders auf die Fastenkur, und das ist auch völlig in Ordnung.
Für mich persönlich ist das Heilfasten eine perfekte Gelegenheit, um meinen Körper zu regenerieren. Dazu gehört nicht nur der körperliche Aspekt, der innere Frühlingsputz, sondern eben auch der emotionale und mentale Frühlingsputz. Es geht für mich darum, wieder Klarheit zu finden, meine Gedanken zu ordnen, zur Ruhe und zur kompletten Entspannung zu kommen und das Nichtstun zu geniessen.
Wer einen starken inneren Leistungsantreiber hat wie ich, wird sich schwertun mit Pausen und damit, sich selbst Auszeiten zu gönnen. Ich habe so viel mit diesem Antreiber gearbeitet, dass es mir inzwischen ganz gut gelingt. Ich weiss aber noch, dass ich mir in der ersten Fastenwoche vor ein paar Jahren nicht erlaubt habe, mich hinzulegen – ausser es war Nacht. Das ging natürlich nicht sehr lange gut.
Denn eines muss dir klar sein: Dein System fährt die ersten drei Tage komplett herunter. Alles geht langsamer und gemächlicher, als du es dir gewohnt bist. Das gehört dazu und ist in Ordnung. Ich spüre, wie gut es mir tut. Ich fühle mich danach wie ein junges Reh.
Weiter geht es für mich auch darum, meine Gewohnheiten zu hinterfragen. Ich will nicht unbewusst essen. Ich will nicht emotional essen. Und schon gar nicht trinken. Ich will mir nicht aufgrund von Mustern Nahrung zuführen, sondern ein bewusstes Essverhalten entwickeln. Ich will bewusst einkaufen, bewusst kochen und bewusst essen – weil ich es mir wert bin und aus Liebe zu meinem Körper.
Fasten hat auch ganz viel mit Loslassen zu tun. Eines meiner grössten Stolpersteine, denn sehr lange fiel mir das ultraschwer. Die Fastenzeit startet mit Glaubersalz. Dieses bewirkt einen starken Wassereinschuss und führt zu Durchfall. So leert sich der Darm, und die Fastenzeit wird etwas einfacher, als wenn noch feste Nahrung im Körper wäre. Zusätzlich kann man das mit einer Kolon-Hydro-Massage ergänzen – dazu aber mehr in der nächsten Folge.
Die Fastenzeit ist also ideal für die Selbstreflexion:
Was möchte ich loslassen?
Wonach sehne ich mich innerlich?
Wo habe ich die Verbindung verloren?
Wo konsumiere ich nur noch und spüre mich nicht mehr?
Und wie du siehst, kann man dies auf viele verschiedene Bereiche anwenden – nicht nur auf die Ernährung.
Ich persönlich gehe in das Kurhaus St. Otmar in Weggis. Das ist ein Fastenhotel, das nichts anderes anbietet als Fastenferien – jeweils von Samstag bis Samstag. Das Hotel beinhaltet mehrere Gebäude mit unterschiedlichen Ausstattungen. Es gibt Studios in zwei Kategorien, einen Wellnessbereich mit Sauna, Gym, Swimmingpool und Infrarotkabine. Zusätzlich gibt es dreimal pro Woche Bewegungsgymnastik und an zwei Abenden ein gemeinsames Programm mit gemeinsamem Trinken und Tipps zur gesunden Ernährung.
Tagsüber hat man die Möglichkeit für Massagen, Wandern oder Spazieren, Sightseeing und vieles mehr. Jeweils am Freitagabend ist dann das Fastenbrechen. Das heisst: Wir essen sechs Tage nichts und nehmen nur flüssige Nahrung zu uns.
Und obwohl ich weiss, wie gut es mir tut, habe ich einen inneren Konflikt. Ein innerer Anteil – vielleicht der innere Schweinehund – hat keine Lust, sich den Themen zu stellen. Keine Lust, auf das feine Essen zu verzichten. Keine Lust, sich mit all dem zu konfrontieren, was hochkommen wird. Keine Lust, eine Woche lang weg zu sein von allem, was mir lieb ist.
Ein anderer innerer Anteil – vielleicht die Gesunde – freut sich sehr darauf. Darauf, dass der Frühlingsputz ansteht. Dass danach alles wieder sauber ist. Dass wir frische Energie tanken. Dass wir weg sind von allem. Dass wir wieder mehr Bewusstsein auf die Ernährung legen.
Dann gibt es noch die Geniesserin – die nicht sehr viel Motivation für diese Woche mitbringt. Sie möchte das Leben geniessen und auskosten, und da gehört Verzicht definitiv nicht dazu. Wobei es ja nicht wirklich Verzicht ist, sondern ein bewusstes Weglassen. Schliesslich habe ich mich ja dafür entschieden.
Und so läuft das gedankliche Spiel momentan hin und her. Alle Gedanken und Gefühle dürfen sein. Ich akzeptiere, dass ich hin- und hergerissen bin.
Aktuell bin ich in den Entlastungstagen – das sind die drei Tage vor der eigentlichen Fastenwoche. Idealerweise, wie der Name schon sagt, entlasten wir den Körper in dieser Zeit. Entlasten heisst, dass wir beginnen, gewisse Nahrungsmittel und Getränke zu reduzieren. Dazu gehört zum Beispiel der Verzicht auf Alkohol, Nikotin, Zucker, Fleisch und fettige Speisen. Also möglichst wenig Kaffee, möglichst wenig tierische Produkte, möglichst wenig Süsses. Empfohlen sind kleine Portionen Gemüse, Obst und leichte Kost wie Reis oder Kartoffeln.
Das sind die Anweisungen für die aktuellen drei Tage. Davon verspreche ich mir, dass der Schock nicht allzu gross ist. Der Körper gewöhnt sich bereits an weniger Kalorien, was den Einstieg erleichtern kann.
Nun weiss ich nicht, wie es dir geht, aber ich trinke rund drei Kaffee pro Tag. Der Entzug von Kaffee ist für die meisten Menschen der schwierigste. Viele reagieren mit starken Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen. Aber was passiert da eigentlich?
Es ist erwiesen, dass Koffein die Blutgefässe im Gehirn verengt. Wenn das Koffein wegfällt, beginnen sich die Blutgefässe wieder zu erweitern – was Kopfschmerzen verursachen kann. Zusätzlich blockiert Koffein normalerweise den Botenstoff Adenosin, welcher Müdigkeit signalisiert. Fällt das Koffein weg, wird das Gehirn mit Adenosin „überflutet“, was zu Müdigkeit und Schmerzen führen kann.
Was ebenfalls schwerfällt während der Fastenzeit, ist das Hungergefühl. Natürlich gehört das irgendwie dazu, aber es ist bei jedem unterschiedlich stark und unterschiedlich lange vorhanden. Bei mir dauert es klassischerweise drei Tage. Letztes Mal ist es mir richtig gut gegangen – ich hatte kaum Beschwerden und auch sehr wenig Hungergefühl.
Was dagegen hilft, ist frische Luft, Bewegung und ganz viel trinken. Sowieso gilt das während der gesamten Fastenzeit – egal ob mit Kopfweh oder ohne.
Was ganz genau im Körper passiert während der Fastenzeit und wie es mir ergangen ist, hörst du im nächsten Podcast.




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