#32 Abhängikeit - zwischen Nähe und Freiheit
- Karin
- 6 days ago
- 3 min read

Wann hast du das letzte Mal gemerkt, dass du abhängig bist?
Das Thema kommt ganz backfrisch aus meinem Leben: Abhängigkeit. Während ich gerade tief in der Reflexion über Abhängigkeiten in meinem Leben stecke, höre ich einen Podcast – und darin fällt der Satz: „Abhängigkeit ist der Tod jeder Beziehung.“
Eine spannende Aussage, die viel mit mir macht.
Denn ich spüre bei mir zwei starke Bedürfnisse:👉 Nähe und Verbindung👉 und gleichzeitig Unabhängigkeit und Freiheit
Und die goldene Mitte zu finden, ist meine grosse Challenge.
Abhängigkeit bedeutet für mich:
Ich kann ohne etwas nicht mehr handeln oder sein
Ich gebe Verantwortung ab
Ich vertraue meiner eigenen Entscheidung weniger bis gar nicht
Ich fühle mich eingeengt und eingeschränkt
Ich habe mir heute ein Leben erschaffen, in dem ich so unabhängig bin, wie es für mich stimmt. Und das vor allem deshalb, weil ich hier sehr sensible Fühler entwickelt habe.
Denn für mich fühlt sich Abhängigkeit einengend an.
Meine Geschichte
Ich habe heute ein grosses Autonomiebedürfnis – vor allem deshalb, weil ich lange sehr angepasst war. Diese Anpassung ist eine Überlebensstrategie, die viele von uns kennen: Fawn – auch bekannt als People Pleasing. Neben Fight, Flight und Freeze ist es eine weitere Reaktion unseres Nervensystems. Ich habe gelernt: Ich gehöre dazu, wenn ich angepasst bin und wenn ich andere Bedürfnisse über meine stelle. Das hat mein Überleben gesichert – aber nicht mein Glück.
Meine Liebesbeziehung war sehr schön. Wir haben alles zusammen gemacht, alles gemeinsam entschieden. Die Meinung meines Partners war essentiell für mich.
Doch nach der Trennung fiel alles in sich zusammen.
Und plötzlich war da ein starkes Bedürfnis nach Autonomie.
Ich wollte mir beweisen:👉 Ich komme alleine klar👉 Ich kann Entscheidungen alleine treffen👉 Ich kann mir selbst vertrauen
Also habe ich mich bewusst entschieden, wieder auf mich zu hören.
Dabei wurde etwas ganz zentral:
Der Verstand will überleben. Das Herz will, dass wir glücklich sind. Der Verstand greift oft auf alte Muster zurück – wie das Fawn-Verhalten. Die Intuition hingegen zeigt uns unseren eigenen Weg. Zu lernen, diese beiden Stimmen zu unterscheiden, war für mich ein Wendepunkt.
Was ich heute ganz klar sagen kann: Abhängigkeit ist nicht dasselbe wie Verbundenheit. Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen Beziehungen, Austausch, Unterstützung. Eine Beziehung darf wichtig sein – ohne dass sie uns unsere Freiheit nimmt. Der Unterschied liegt für mich hier: Treffe ich Entscheidungen aus mir heraus? Oder aus Angst, jemanden zu verlieren?
In meiner Reflexion habe ich etwas Spannendes erkannt: Absolute Unabhängigkeit gibt es nicht.
Wir sind immer Teil von Systemen:
Gesellschaft
Politik
Beziehungen
Und das ist nicht nur negativ – sondern gibt auch Sicherheit.
Abhängigkeiten zeigen sich überall:
von Menschen
von Meinungen
von Jobs
von Geld
von Medien
von Suchtmitteln
sogar von Tools wie ChatGPT
Die entscheidende Frage ist nicht, ob sie da sind –sondern ob sie sich für dich stimmig anfühlen.
Ich frage mich regelmässig: Könnte ich auch ohne? Könnte ich darauf verzichten? Könnte ich selbst entscheiden? Wenn die Antwort ehrlich „Ja“ ist, dann ist es für mich in Balance. Ich habe auch gelernt, bewusst gegenzusteuern. Zum Beispiel weiss ich, dass ich einen Hang zu Serien habe. Deshalb habe ich keinen Netflix-Account und keinen Fernseher. Ich nehme mir bewusst die Möglichkeit, überhaupt in diese Abhängigkeit zu rutschen.
Denn für mich löst Abhängigkeit etwas Starkes aus: Angst. Freiheitsentzug. Fehlende Autonomie.
Ich war früher abhängig von:
meinem Therapeuten
der Meinung meiner Eltern
der Meinung meines Partners
Ich wollte verstanden und bestätigt werden. Dabei habe ich mich selbst verloren.
Einladung zur Reflexion
Vielleicht hörst du das jetzt und fragst dich: Wo bin ich abhängig? Und wie fühlt sich das für mich an?
Vielleicht ist es völlig stimmig für dich. Vielleicht aber spürst du, dass du wieder mehr Luft brauchst.
Dann frage dich: Wo gebe ich Verantwortung ab – aus Angst? Wo wäre ein kleiner Schritt zurück zu mir möglich?
Freiheit bedeutet für mich heute nicht mehr, niemanden zu brauchen. Freiheit bedeutet: Beziehungen eingehen zu können. Nähe zuzulassen. Und trotzdem bei mir zu bleiben. Vielleicht ist genau das die wahre Freiheit: Nicht völlige Unabhängigkeit. Sondern die Fähigkeit, immer wieder zu sich selbst zurückzufinden.




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