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#21 Neujahrsvorsätze - Wie sie wirklich funktionieren und weshalb sie scheitern

  • Writer: Karin
    Karin
  • Dec 30, 2025
  • 6 min read

Die Geschichte der Neujahrsvorsätze ist ultralang. Sie begann etwa 3000 vor Christus im alten Babylon. Im Neujahrsritual, dem «Akitu-Fest», gab man sich Versprechen wie, Schulden zu begleichen, geliehenes Eigentum zurückzugeben und loyal gegenüber dem König zu sein. Die Vorsätze galten damals gegenüber den Göttern, nicht etwa sich selbst. Man glaubte, dass Schutz und Wohlstand im neuen Jahr davon abhingen, ob man seine Versprechen hält.

Dann kamen die Römer, etwa um 750 vor Christus. Sie reflektierten das vergangene Jahr, nahmen sich vor, moralischer zu handeln, und gelobten gutes Verhalten gegenüber Göttern und Mitmenschen. Hier entstand erstmals die Idee der inneren Ausrichtung und der persönlichen Verantwortung.

Im Mittelalter wurde der Jahresbeginn genutzt, um über Fehler nachzudenken, um Vergebung zu bitten und ein besserer Mensch zu werden. Der Einfluss der Kirche war deutlich spürbar.

Ab dem 19. Jahrhundert wandelten sich die Neujahrsvorsätze hin zu Themen wie: gesünder leben, weniger arbeiten, mehr Selbstfürsorge, persönliches Wachstum und mehr für die Familie da sein.


Und so ist es auch heute. Jedes Jahr passiert dasselbe. Wir schreiben Listen, fassen Vorsätze und nehmen uns fest vor, dass dieses Jahr anders wird. Klarer. Gesünder. Leichter. Erfolgreicher. Ruhiger.

Und doch scheitern viele dieser Vorsätze – oft schon nach wenigen Wochen. Weshalb eigentlich? Warum scheitern Vorsätze? Genau da möchte ich gemeinsam mit dir hinschauen. Spür doch einmal rein, ob davon etwas auf dich zutrifft.


Vorsätze entstehen oft aus einem Gefühl von Mangel

Viele Neujahrsvorsätze entspringen nicht aus Freude oder innerer Klarheit, sondern aus einem leisen – oder manchmal sehr lauten – Gefühl von: So wie ich bin, bin ich nicht genug.


Wir wollen besser werden, weil wir glauben, so wie wir jetzt sind, sei es nicht richtig. Wir wollen uns optimieren, verändern, korrigieren. Und genau hier beginnt das Problem. Denn diese Ansätze, besser sein zu wollen, kommen aus einer tiefen Quelle von Mangel.

Langfristig ist das jedoch nicht auszuhalten. Wir halten das nicht durch, weil es uns unglaublich viel Energie kostet. Der Antrieb kommt aus dem Mangel und ist deshalb stark verbunden mit Schwere und einer Last auf den Schultern. Kommt der Antrieb hingegen aus Liebe und Fülle, erfüllen wir Vorsätze mit Leichtigkeit.

Wir schauen nach vorne, ohne wirklich zurückzuschauen

Der Jahreswechsel lädt zum Neuanfang ein. Doch oft überspringen wir dabei einen wichtigen Schritt: das ehrliche Zurückschauen.

Was ist da eigentlich passiert in diesem Jahr? Was hat mich geprägt, gefordert oder berührt? Was habe ich geleistet – auch das, was niemand gesehen hat?

Stattdessen gehen wir direkt ins Nächste. Neue Ziele, neue Pläne, neue Erwartungen an uns selbst. Doch das Alte will gesehen werden. Erst wenn wir verstehen, warum Dinge waren, wie sie waren, kann etwas Neues wirklich entstehen. Ohne diese Integration bleibt jeder Vorsatz oberflächlich.

Ich empfehle dir deshalb, dir vor dem Jahreswechsel bewusst Zeit für ein kleines Rückblick-Ritual zu nehmen. Schreib ein paar Zeilen, zünde vielleicht eine schöne Kerze an, höre Musik oder nutze ein Ritual, mit welchem du mithilfe des Feuers, des Wassers oder der Luft etwas loslässt.

Ich selbst nutze dafür immer die Rauhnächte. Dabei nehme ich mir bewusst Zeit für einen Rückblick und ein Loslass-Ritual.


Der Kopf setzt Ziele – das Herz bleibt zurück

Viele Vorsätze entstehen im Verstand, im Kopf. Dieser meint ganz genau zu wissen, was sinnvoll wäre: mehr Sport, weniger Stress, besser organisiert sein.

Doch unser Inneres – unser Gefühl, unser Nervensystem, unsere Seele – war oft gar nicht Teil dieses Entscheids. Und wenn Kopf und Herz nicht in dieselbe Richtung gehen, kann es langfristig nicht funktionieren.


Zu viel, zu schnell, zu radikal

„Ab jetzt jeden Tag Sport.“

„Nie mehr Zucker.“

„Dieses Jahr ändere ich alles.“

Unser System liebt Entwicklung, aber in kleinen, sicheren Schritten. Zu grosse Vorsätze lösen Stress aus. Und Stress führt nicht zu Veränderung, sondern zu Rückzug. Es ist kein persönliches Versagen, wenn wir dann abbrechen. Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass wir uns selbst übergangen haben. Deshalb lohnt es sich, das grosse Ziel in kleine Etappenziele zu unterteilen.


Was Neujahrsvorsätze innerlich mit uns machen

Wenn Vorsätze scheitern, passiert oft etwas in uns. Wir zweifeln an uns, verlieren Vertrauen und erzählen uns alte Geschichten wie: Ich kann das halt nicht. So wird der Neujahrsvorsatz jedes Jahr zu einem stillen Beweis gegen uns selbst – statt zu einer liebevollen Einladung an uns.


Vielleicht braucht es keine neuen Vorsätze

Ich persönlich hinterfrage diese Art von Vorsätzen. Und genau deshalb gibt es auch diese Podcastfolge. Ich möchte dir aufzeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Und wer weiss, vielleicht möchtest du dieses Jahr einmal etwas Neues ausprobieren.

Wie du vielleicht weisst, war ich bis vor Kurzem stark kopf- und verstandesorientiert. Ich habe die meisten Entscheidungen aus dem Kopf heraus getroffen und mein Herz nicht mit einbezogen. Das führte dazu, dass ich irgendwann eine innere Leere spürte und nicht wirklich glücklich war. Da war immer dieses Gefühl: Da gibt es doch noch mehr.

Vor ein paar Jahren habe ich mich entschieden, mein Herz mit einzubeziehen – ja, sogar diesem das Steuer zu überlassen. Selbstverständlich war mein Ego darüber nicht sehr erfreut.


So habe ich mit den Rauhnächten begonnen – einem wunderbaren Ritual der Einkehr. Es geht dabei immer darum, alle Ebenen mit einzubeziehen. Unser Verstand ist genau richtig und unbedingt nötig, um auf dieser Welt erfolgreich zu sein. Aber es gibt eben auch die Intuition, die Seele und das Herz. Und sie haben Ideen und einen Plan, was sie in diesem Leben erleben wollen. Darauf möchte ich eingehen.


Der grösste Unterschied zwischen meinen Vorsätzen und meinen Wünschen fürs 2026 ist, dass ich mich frage, wie ich mich fühlen will. Ich überlege mir, weshalb ich dieses Ziel möchte und worum es mir im Kern wirklich geht.


Beispiel: Abnehmen

Zum Beispiel beim Körpergewicht: Ich könnte mir vornehmen, acht Kilo abzunehmen und ab Januar dreimal pro Woche Sport zu treiben. Das ist eine Möglichkeit. Doch darin spüre ich keine Verbindung, keine Tiefe, keine Freude und keine Passion. Und genau deshalb würde es bei mir nicht lange funktionieren. Mir fehlt das Wofür. Wofür will ich das alles? Damit ich schlanker bin. Okay – und dann? Was ist dann anders?

Also schlage ich dir Folgendes vor: Beginne damit, deine Pain Points aufzuschreiben. Was ist es, das dich stört? Was steht dir im Weg? Was gefällt dir momentan nicht? Schreibe alles auf. Wenn du alles auf Papier gebracht hast, analysiere es erst einmal. Was fällt dir auf? Was hast du aufgeschrieben – und weshalb?


Mit diesen Erkenntnissen überlegst du dir, wie du es gerne stattdessen hättest. Schau, was du brauchst, was du möchtest und wie dein Zielzustand aussieht. Versuche dir dabei vorzustellen, welches ganz bestimmte Körpergefühl du spüren möchtest. Zum Beispiel: Ich möchte mich in meinem Körper wohl fühlen, mich gerne im Spiegel ansehen, stolz sein auf meinen Körper, mich gesund und vital fühlen.

Wenn du dieses Gefühl einmal wirklich gespürt hast, bekommt dein Vorsatz eine ganz andere Tiefe und Bedeutung. Du hast einen Anker im Körper. Und dann kannst du liebevoll mit dir selbst Massnahmen vereinbaren – frei von Strenge, Druck und Müssen. So, dass du dich darauf freust.


Und für die Vorfreude gibt es unzählige Möglichkeiten: neue tolle Sportkleider, neue Schuhe, eine App wie Komoot, mit der du schöne Routen raussuchen kannst, eine neue Sport-Playlist, ein fixer Tag, ein neues Fitnessstudio, eine neue Trainingsgruppe oder eine neue Sportart. Hör auf dein Inneres und spüre, was dir wirklich Freude macht. Es sollen Ziele sein, auf die du dich richtig freust.

Übrigens: Wann immer das Wort müssen auftaucht, darfst du innehalten. Denn wenn du in den Sport musst, macht es dir keine Freude.


Beispiel: Ordnung schaffen

Ein zweites Beispiel ist das Ordnung schaffen. Vielleicht stört dich, dass du etwas chaotisch unterwegs bist, Dinge nicht angehst, Sachen nicht aufräumst und so weiter. Auch hier ist wichtig, dass du dir zuerst aufschreibst, was dich stört. Was geht dir auf die Nerven? Wo stehst du dir selbst im Weg? Was ist wegen des Chaos nicht möglich?

Analysiere deine Antworten und geh dann einen Schritt weiter. Überlege dir, was du stattdessen gerne hättest. Was wird möglich, wenn mehr Struktur und Ordnung in dein Leben kommen? Was bedeutet das für dich? Was kannst du dadurch erschaffen?

Erst wenn du das richtig gefühlt hast und enthusiastisch bist, gehst du einen Schritt weiter und überlegst dir, wie du zu deinem Ziel kommst. Auch hier hilft es, wenn etwas Neues entsteht: ein neues Bücherregal, schöne Kisten, Kisten selber basteln oder anmalen oder eine digitale Ordnung kreieren. Hauptsache, du freust dich richtig darauf.

So sollen meiner Meinung nach Vorsätze sein. Denn dann starten wir erfreut ins neue Jahr und gehen unsere Wünsche voller Energie an. Bei mir ist es jedenfalls so.

Ich hoffe, dass dir das etwas gebracht hat und auch du Lust hast, hier etwas Neues auszuprobieren.


Denn echte Veränderung beginnt nicht im Kalender. Sie beginnt dort, wo du dir selbst wieder begegnest. 💛


 
 
 

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