#24 Das Hamsterrad - wenn Funktionieren zum Überleben wird
- Karin

- Jan 27
- 3 min read
Wir alle haben schon davon gehört. Aber weisst du eigentlich, wie sich das Hamsterrad wirklich anfühlt? Was es ist, warum es so heisst – und was es mit dir macht?

Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, im privaten wie im beruflichen Kontext, sehe ich unglaublich viele Menschen im Hamsterrad. Unabhängig von Position, Job, Familiensituation oder Lebensphase. Es betrifft uns alle.
Das Hamsterrad entsteht nicht von heute auf morgen.Es ist ein schleichender Prozess. Und oft merken wir gar nicht, dass wir längst drin sind.
Unsere Gesellschaft honoriert Leistung.Arbeiten. Funktionieren. Durchhalten.Noch immer reagieren wir nicht urteilsfrei, wenn jemand „nur“ 50 % arbeitet, arbeitslos ist oder wenn Männer zu Hause bei den Kindern bleiben. Alte Konzepte sind tief verankert – und sie wirken. Solange wir urteilen, bleiben unsere Herzen geschlossen.
Wie sich das Hamsterrad anfühlt
Ich kenne das Hamsterrad sehr gut. Ich war mittendrin.
Ich war fast immer angespannt. Ich funktionierte und leistete.Ich war zu erschöpft, um Abläufe zu optimieren. Hilfe anzunehmen fiel mir schwer – es war einfacher, alles selbst zu machen. Ich dachte kaum an morgen, weil ich nicht einmal wusste, wie ich heute überstehen sollte.
Adrenalin hielt mich am Laufen.Abends fiel ich erschöpft ins Bett.Morgens begann sofort das Gedankenkarussell. Kein Ausschlafen. Kein Innehalten. Nur Spannung, Müdigkeit, Schmerzen im Körper.
Essen war Nebensache. Pausen auch.Freie Tage dienten der Regeneration – nicht dem Leben.
Auf dem Höhepunkt musste ich mich vor Stress übergeben. Und trotzdem änderte ich nichts.Ich belog mich selbst mit Sätzen wie:„Nur noch dieses Projekt.“„Nur noch bis zu den Ferien.“„Nur noch dieser Auftrag.“
Meine inneren Antreiber hatten das Steuer übernommen.
Die fünf inneren Antreiber
Sei perfekt
Sei schnell
Sei stark
Mach es allen recht
Streng dich an
Vier davon waren bei mir extrem aktiv.Pausen fühlten sich falsch an. Ruhe machte Angst. Selbst freie Tage waren nur dann „ok“, wenn wir zumindest gedanklich weiterarbeiteten.
Und je mehr ich leistete, desto leerer wurde ich.
Der Tiefpunkt
Ich wünschte mir einen Unfall. Einen Beinbruch. Damit endlich alles aufhört.
Erst als ich Ende 2019 in einem Kurs zur gewaltfreien Kommunikation diesen Wunsch aussprach und gespiegelt bekam:Karin, hörst du dich eigentlich?wachte ich auf.
Da verstand ich: Ich war im Überlebensmodus.
Das Hamsterrad – ganz nüchtern betrachtet
👉 Dauer-Tun, nicht aus Wahl – sondern aus Druck.
Ich tue, um nicht zu fühlen.Angst. Leere. Unsicherheit. Sinnfragen.
Ich funktioniere, statt zu spüren.Ich weiss, was zu tun ist – aber nicht mehr, was ich brauche.
Mein Wert ist an Leistung gekoppelt.Pausen fühlen sich falsch an. Stillstand macht Angst.
Es gibt kein Ankommen.Das Ziel verschiebt sich ständig. Es reicht nie.
🧠 In einem Satz:
„Bleib in Bewegung, sonst bist du nicht sicher.“
Typische Anzeichen
Im Kopf: Gedanken kreisen, auch in RuheEmotional: Leere, Reizbarkeit, SchuldgefühleIm Körper: Müdigkeit, Verspannungen, InfekteIm Verhalten: Ja sagen statt Nein, MultitaskingIm Selbstbild: Wert = Leistung
Der Weg raus
Der erste Schritt ist, dich selbst zu ertappen.Nicht verurteilen. Wahrnehmen.
„Ich weiss, dass es mir so nicht gut tut – aber ich weiss nicht, wie es anders geht.“
Das bedeutet nicht, dass du ein Problem hast.Es bedeutet, dass dein System lange im Überlebensmodus war.
Und Überleben darf sich wieder in Leben verwandeln.
Manchmal braucht es dafür Unterstützung.Auch ich habe Hilfe angenommen. Und genau dort begann echte Veränderung.
Heute sind meine Sensoren fein.Sie schlagen Alarm, bevor ich ins Rad zurückfalle.
Heute weiss ich:Ich bin wertvoll – unabhängig von Leistung.Ich darf sein.Und genau dann kann ich auch wieder geben.




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