#26 Die bedingungslose Liebe – warum wir sie verlernen und wie wir sie wiederfinden
- Karin

- 4 days ago
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Heute öffne ich ein grosses Fass. Ich spreche über die Liebe. Genauer: über die bedingungslose Liebe.

Ein Thema, das so umfassend ist, dass vermutlich zehn Podcastfolgen nicht reichen würden. Und doch möchte ich heute ganz bewusst eintauchen:Was bedeutet bedingungslose Liebe für mich?Wie können wir sie leben?Und welchen Einfluss hat unsere eigene Geschichte darauf?
Bedingungslose Liebe ist etwas, wonach ich in meinem Leben strebe. In den letzten Jahren durfte ich sie immer wieder spüren, erleben – und vor allem geniessen. Es ist ein grosses Geschenk. Ein Gefühl von Weite.Wenn ich bedingungslose Liebe fühle, dann hat alles Platz. Alles darf sein. Ganz egal, wo das Gegenüber gerade steht, in welcher Krise es steckt – es ist okay. Es ist Raum da.
Ein altes Gedicht beschreibt diesen Zustand für mich unglaublich treffend:
Die Liebe ist langmütig und freundlich. Die Liebe eifert nicht. Sie prahlt nicht. Sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig. Sie sucht nicht das Ihre. Sie lässt sich nicht erbittern. Sie rechnet das Böse nicht zu. Sie freut sich nicht über das Unrecht. Sie freut sich aber an der Wahrheit. Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. (1. Korinther 13)
Bedingungslose Liebe sagt: Ich sehe dich. So wie du bist. Und ich bleibe in Verbindung – auch wenn es schwierig wird.
Doch die meisten von uns haben genau das nicht gelernt. Viele von uns sind in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Liebe – meist unbewusst – an Bedingungen geknüpft war. Das ist menschlich. Und historisch gesehen war es oft überlebenswichtig. Diese Muster wurden über Generationen weitergegeben.
Liebe mit Bedingungen sagt:Ich liebe dich, wenn du brav bist.Ich liebe dich, wenn du leistest.Ich liebe dich, wenn du mich nicht enttäuschst.
Das wird selten ausgesprochen – aber Kinder spüren es. Und das reicht.
Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr passiert Entscheidendes.Ein Kind erkennt: Ich bin ein eigenes Wesen.Es beginnt, sich über Reaktionen zu orientieren.Es will dazugehören. Verbunden bleiben.
Und dann merkt es: So bekomme ich Nähe. So nicht.
Das kindliche Gehirn speichert diese Erfahrungen nicht rational, sondern emotional. Lob, Aufmerksamkeit und Nähe aktivieren das Belohnungs- und Bindungssystem. Kritik, Kälte oder Rückzug aktivieren Stress. Für das Kind gilt biologisch: Bindung = Überleben.
Also passt es sich an.Es wird brav. Leistungsbereit. Hilfsbereit. Stark.Nicht, weil es will – sondern weil es muss.
Und irgendwann entsteht dieser unbewusste innere Satz:Ich bin liebenswert, wenn ich etwas leiste.
Im Erwachsenenleben zeigen sich diese Muster oft sehr klar:Wir fühlen uns wertvoll, wenn wir funktionieren.Ruhe fühlt sich unangenehm an.Schuldgefühle tauchen auf, wenn wir nichts geben.
Und doch: Du hast nichts falsch gemacht.Du hast gelernt, Bindung zu sichern. Und das war intelligent.
Bedingungslose Liebe bedeutet nicht, alles zu ertragen. Sie braucht Grenzen. Selbstachtung. Ehrlichkeit.Aber sie braucht keine Kontrolle.
Und sie beginnt nicht im Aussen.Sie beginnt in dir.
Vielleicht ist der wichtigste Schritt gerade nicht, etwas zu verändern.Sondern dich selbst zu verstehen – ohne dich zu verurteilen.
Denn vielleicht ist genau das der Anfang von bedingungsloser Liebe: Dich nicht mehr gegen dich selbst zu stellen.




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